Entlastungspaket 2027 – Ein Brief von Zentralpräsident Addor an Bundesrätin Keller-Sutter
Zentralpräsident Jean-Luc Addor will die BAZG-Angestellten aus den Sparmassnahmen des Entlastungspakets 27 ausnehmen lassen. Er kritisiert, dass die vereidigten BAZG-Angestellten, die körperlich, in Schichtarbeit, bei Risiken und Gefahren des Alltags gleichgestellt werden mit dem restlichen Verwaltungspersonal. Hierfür hat er einen Brief an die Bundespräsidentin und EFD-Vorsteherin Karin Keller-Sutter geschrieben, um die Argumente darzulegen.
Hier der Brief (aus dem Französischen übersetzt), auch als PDF:
(Bern, 9. September 2025)
Sehr geehrte Frau Bundespräsidentin,
Im Namen von Garanto und in meiner Eigenschaft als Bundesparlamentarier möchte ich Sie auf einen Punkt aufmerksam machen, der bei unseren Mitgliedern und im Zentralvorstand im Rahmen der Verhandlungen zum Entlastungspaket 27 auf heftigen Widerstand gestossen ist. Es handelt sich um den vielfach erwähnten Grundsatz der Gleichbehandlung der verschiedenen Personalgruppen der Bundesverwaltung.
Dieser Grundsatz kann nicht einheitlich auf Berufe mit besonders unterschiedlichen Realitäten angewendet werden. Es ist zwar legitim, Vergleichbares gleich zu behandeln. Die Fachspezialisten für Zoll und Grenzsicherheit (FSZGZ) bilden jedoch eine eigene Berufsgruppe, deren Arbeitsbedingungen eine Gleichstellung mit dem normalen Verwaltungspersonal nicht zulassen.
Ich möchte Ihnen hier die wichtigsten objektiven Unterschiede darlegen, die eine besondere Berücksichtigung dieses Berufs im Rahmen der geplanten Sparmassnahmen rechtfertigen:
- Schichtarbeit
Die FSZG arbeiten in Schichtarbeit, rund um die Uhr. Insbesondere Nachtschichten sind sowohl körperlich als auch psychisch anstrengend, beeinträchtigen das Familien- und Sozialleben und werden mit zunehmendem Alter immer schwieriger zu bewältigen. Die 7. Ferienwoche für Mitarbeiter über 60 Jahre ist aus gesundheitlichen Gründen eine Notwendigkeit. - Erhebliche körperliche Belastungen
Diese Angestellten arbeiten im Aussendienst, oft unter schwierigen Wetterbedingungen, bei Tag und bei Nacht, in Uniform, manchmal mit schusssicherer Weste und Dienstwaffe. Ihr Alltag ist weit entfernt von einer Büroumgebung: Es handelt sich um eine anspruchsvolle Arbeit, bei der sie oft mit heiklen oder sogar riskanten Situationen konfrontiert sind. - Digitale Transofrmation und Personalmangel
Die derzeitige digitale Transformation beim BAZG erfordert erheblichen Mehraufwand. Insbesondere ehemalige Zollspezialisten erwerben neue Kompetenzen und verlieren gleichzeitig ab 2028 trotzdem eine Lohnklasse. Darüber hinaus sind die Mitarbeiter vor Ort überlastet, weil die Personalressourcen nicht ausreichen, um die Abwesenheiten aufgrund der Weiterbildungen (Allegra) aufzufangen. - Besonderheit eines monopolistischen Berufs
Die FSZG üben – wie zuvor die Zollspezialisten oder Grenzwächter – einen hochspezialisierten Beruf aus, für den der Bund der einzige mögliche Arbeitgeber ist. Diese Situation führt zu einer starken beruflichen Abhängigkeit, die sich im Laufe jahrelanger Ausbildung und Engagement verschärft. Nach Ansicht vieler Mitarbeitender rechtfertigt dies die Beibehaltung der Treueprämie als angemessene Gegenleistung. Sie verstärkt auch die negativen Auswirkungen der Sparmassnahmen auf die zweite Säule, da diese Fachkräfte oft über mehrere Jahrzehnte hinweg beim Bund tätig sind.
Die BAZG-Angestellten zeichnen sich durch hohe Integrität, grosses Verantwortungsbewusstsein, einen hohen beruflichen Stolz und einer aussergewöhnlichen Loyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber aus. Sie nehmen die besonderen Anforderungen ihres Berufs auf sich – die Schichtarbeit, Risiken und Gefahren der Personenkontrollen, körperliche Belastung. Bei ihrem Dienstantritt leisten sie einen Eid auf die Verfassung, was ihr langfristiges Engagement und ihren Sinn für den öffentlichen Dienst unterstreicht.
Vor diesem Hintergrund berücksichtigen die derzeit geplanten bereichsübergreifenden Sparmassnahmen weder die Besonderheiten ihrer Funktion noch das berufliche Engagement, das sie während ihrer gesamten Laufbahn leisten, in ausreichendem Masse.
Aufgrund der oben genannten Punkte fordert Garanto, dass die Berufsgruppe der FSZG ausdrücklich von den im Rahmen des Entlastungs-Pakets 27 vorgesehenen Sparmassnahmen ausgenommen wird.
Ich danke Ihnen im Voraus für die wohlwollende Behandlung dieses Schreibens und verbleibe mit freundlichen Grüssen.
Gewerkschaft Garanto
Jean-Luc Addor
Präsident
Nationalrat
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